Am 4. und 5. Juli fand in Berlin der Feministische Sommerkongress statt, den unser Club auch wenig finanziell unterstützt hatte und der maßgeblich durch unsere Clubschwester aus Berlin-Mitte und Vorsitzende des Landesfrauenrates Christine Kurmeyer organisiert wurde.
Berlin Charlottenburg wurde vertreten durch Maria und Sue, die jeweils einen Tag dabei waren. Wir haben zwischen den Veranstaltungen und beim Lunch kräftig genetzwerkt und konnten uns in der Auswahl über fünfzig Vorträge und Workshops erfahren, was frauenpolitisch in Berlin derzeit Thema ist. Unter anderem hielt Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe eine Keynote, in der sie über die Erfolge des Senats (9. Frauenhaus fertig, 10. und 11. Frauenhaus in Berlin genehmigt, Aktion gegen digitale Gewalt gestartet), aber auch ehrlich über die Vorhaben berichtete, die noch nicht umgesetzt werden, wie zum Beispiel die für Frauen wichtige EU-Entgelttransparenzrichtlinie und die Parität im Berliner Parlament. Es gab eine literarische Lesung von Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen waren („Killing the Good Girls“, Hrsg. Farsana Soleimankehl-Hanke), einen Workshop über „Antifeminismus als politische Strategie“ (und wie wir dagegenhalten können), Adrienne Goehler warb für den Frauenstreik 2027, und zusammen mit der ehemaligen Familienministerin Lisa Paus und anderen Grünen haben wir beim Mittagstisch über das Thema Streikrecht und dessen (nach A.G. zu eng gefasste) Grenzen diskutiert.
Ein paar Highlights des Kongresses: Eine Ausstellung „I am a survivor, not a victim“ lud zur Diskussion über die Wichtigkeit von Sprache in Feministischen Diskursen ein, die Initiative „Nur Ja heißt Ja“ stellte sich vor, und Sue hat von den Initiatorinnen gelernt, was die Forderung nach einem Tatbestand der „grobfahrlässigen Vergewaltigung“ bedeutet (der Täter kann nicht behaupten, er habe nicht gemerkt, dass die Tat von der Frau nicht gewollt gewesen sei), hat an einem sehr bodenständigen Workshop „Selbstverteidigung mit Alltagsgegenständen“ teilgenommen (man kann sich auch mit Küchenutensilien gegen Angreifer wehren!) und an einer Körperübung für Krisensituationen.
Interessant als Erfahrung mehrere Workshops im „Fishbowl-Format“, bei denen die Expertinnen in der Mitte eines Teilnehmerinnen-Kreises diskutieren - mit einem leeren Stuhl für diejenigen, die ein Statement abgeben wollen und sich alternierend in den inneren Kreis dazusetzen. So wird das Gefühl von „Frontal-Unterricht“ vermieden.
Nicht alles war gelungen, aber insgesamt hat sich das Wochenende sehr gelohnt, und wir haben tolle Frauen kennengelernt. Es muss eine Mammut Anstrengung für die Macherinnen gewesen sein, so viel anzubieten. Hut ab an unsere Clubschwester Christine!